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Muttermilch ist günstiger als Kraftfutter

Datum: 04.07.2018

Hohenloher Mutterkuhhalter auf Fortbildung unterwegs

Etwa 65 Landwirte machten sich Ende Juni auf die Suche nach Neuem in der Mutterkuhhaltung. Im Rahmen der alljährlichen Lehrfahrt besichtigten die Hohenloher Mutterkuhhalter mehrere Betriebe in Mittelfranken. Veranstaltet wurde die Fortbildung gemeinsam von den Landwirtschaftsämtern des Hohenlohekreises und des Landkreises Schwäbisch Hall sowie dem Verein Hohenloher Weiderind.

Erste Station war der Gemüsebetrieb Scherzer in Dinkelsbühl-Waldeck. Auf über 11 Hektar werden im Gewächshaus Tomaten angebaut. Mehr als 80 Angestellte sorgen in Handarbeit für reichlich Ernte. Gepflanzt werden die jungen Tomatensetzlinge Mitte Dezember. Nach Einsetzen der ersten Blüten dauert es noch 90 Tage bis zur ersten Ernte. Diese erfolgt ab dann wöchentlich bis Oktober. Am Ende ist die Tomatenpflanze über 18 Meter lang. Nützlinge wie die Schlupfwespe sorgen dafür, dass die Pflanzen das ganze Jahr über gesund bleiben. Zur Bestäubung der Blüten kommen Hummeln zum Einsatz. Um Tau und Feuchtigkeit auf den Pflanzen zu vermeiden, darf die Temperatur nie unter 14 Grad fallen. Dadurch kann es passieren, dass selbst im Sommer nachts geheizt werden muss. Hauptabnehmer der vier verschiedenen Tomatensorten sind der Lebensmitteleinzelhandel und Gemüsegroßhändler in Süddeutschland.

Anschließend wurde der Limousinzuchtbetrieb Deibel in Feuchtwangen-Unterransbach besucht. Lore Deibel zeigte und erklärte ihren funktionalen Tretmiststall. Die Schieberentmistung sorgt für einen sauberen Bereich am Futtertisch. Durch 30 Hektar Grünland direkt am Stall können die Tiere vom Stall direkt auf die Weide. Auch eine Zufütterung auf den sommertrockenen Weiden ist unkompliziert möglich. Der sich in der Umstellung auf Bio befindende Betrieb versucht so gut wie möglich, auf teures Bio-Kraftfutter zu verzichten und legt daher großen Wert auf das Grundfutter. Die Silage wird frühzeitig geschnitten und sorgt für bestes Futter im Winter. Vermarktet werden die meisten Tiere zur Zucht. Auch Embryonen werden zum Kauf angeboten. Neben zugekauften Bullen wird Sperma von ausländischen Züchterkollegen zur künstlichen Besamung eingesetzt. Lore Deibel schwört auf eine breite genetische Vielfalt zur Verbesserung der rassetypischen Merkmale. Daher wird seit 20 Jahren nur behutsam mit genetisch hornlosen Vererbern gearbeitet. Die fehlenden Hörner dürfen nicht auf Kosten von Rahmen, Bemuskelung und den täglichen Zunahmen erkauft werden.

Letzte Station der Exkursion war der Betrieb Bauereiß in Colmberg-Auerbach. Der Aberdeen Angus Zuchtbetrieb ist bundesweit bekannt und konnte schon auf den verschiedensten Schauen Preise mit seinen Tieren gewinnen. Der reine Grünlandbetrieb wirtschaftet seit über 15 Jahren biologisch. Um teures Zukauffutter so gering wie möglich zu halten, setzt der Betrieb auf ein gutes Weidemanagement und Grassilage. Der erste Austrieb erfolgt so früh wie möglich mit Zufütterung. Bei der Umstellung auf die Weide benötigen die Kälber drei Wochen Zeit bis sie sich an die neue Situation angepasst haben und sich normal weiterentwickeln können. Diesen Wachstumsknick versucht der Betrieb Bauereiß so gering wie möglich zu halten. Aufgrund der Vermarktung von Bullen über die Zuchtmärkte in Ansbach und Ilshofen hat sich der Betrieb für eine saisonale Abkalbung im Herbst entschieden. Weiterer Vorteil der Herbstabkalbung ist, dass im trockenen Sommer das Futter der Weiden sehr überschaubar ist und die Mutterkühe in diesem Zeitraum nur einen geringen Futterbedarf haben. Damit die Kälber die Umstellung von der Weide in den Stall gut verkraften, erhalten sie nach dem Stalleinzug die ersten sechs Wochen Kraftfutter. Die Kälber bleiben zehn bis elf Monate bei dem Muttertier. Eines der Zuchtziele ist eine hohe Milchleistung, da Milch aus Gras günstiger ist als Kraftfutter.
 
Die Teilnehmer der Lehrfahrt bekamen interessante Einblicke in die Arbeit zweier auf die Zucht spezialisierten Betriebe. Nur mit bestem Futter, interessanter Genetik und dem Auge für die Herde gelingt es beiden Betrieben langjährig gefragte Tiere an Berufskollegen in ganz Süddeutschland zu vermarkten. Zum Erfolgsrezept der Betriebe gehört auch, die Arbeit kritisch zu hinterfragen und der Mut zu Neuem, um die Betriebe kontinuierlich weiter zu entwickeln.


Bildüberschrift:
Die Teilnehmer der Mutterkuhlehrfahrt besuchten die Limousinherde des Betriebs Deibel auf der Weide.

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